Sigurd Rosenhain | Porträtsammlung  

Sigurd Rosenhain ist ein "Leipziger Original" und in der ganzen Stadt als der Zeichner mit Baskenmütze, Pfeife und dem schnellen Stift bekannt. In einem halben Jahrhundert hat der Künstler über tausend Porträts gezeichnet und diese von den Porträtierten signieren lassen.

Michail Gorbatschow  

Monserat Caballé

Günter Grass  

Die Liste der Dargestellten liest sich wie das "Who is who" unserer Zeit:  Mario Adorf, Josefine Baker, Franz Beckenbauer, Herbert Blomstedt, Monserat Caballé, Umberto Eco, Michail Gorbatschow, Steffi Graf, Günter Grass, Juliette Greco, Johannes Heesters, Bernhard Heisig, Ephraim Kishon, Hildegard Knef, Oskar Lafontaine, Henry Maske, Kurt Masur, Heinz Rühmann, Helmut Schmidt, Peter Scholl-Latour, Bud Spencer, Karl-Heinz Stockhausen, Eva und Erwin Strittmatter, Werner Tübke, Sir Peter Ustinov, Richard von Weizsäcker, Katarina Witt, Christa Wolf.

Katarina Witt  

Bernhard Heisig  

Nana Mouskouri  

Mit großer Freude präsentiert das Graphikantiquariat Koenitz diese außergewöhnliche Sammlung erstmals vollständig in seinem Arkadengeschäft im Alten Rathaus Leipzig.

Nulla dies sine linea - Keinen Tag ohne einen Strich

Dieser Leitsatz begleitete den Leipziger Porträtisten Sigurd Rosenhain sein Leben lang. Dem am 5. April 1927 in Berlin geborenen Künstler wurde das Talent in die Wiege gelegt. Sein Vater war Violinenspieler in einem Berliner Orchester, ein Engagement als Konzertmeister führte die Familie nach Döbeln in Sachsen. Schon als Vierjähriger sei Sigurd Rosenhain mit einem Stück Kreide in der Hand unterwegs gewesen. Während der Zeit an der Rudolf-Steiner-Schule wurden seine musischen Anlagen gefördert. Der Zweite Weltkrieg setzte seiner weiteren künstlerischen Ausbildung ein jähes Ende. Fast noch ein Kind wurde Rosenhain in den letzten Kriegsmonaten zur Wehrmacht berufen.

Als Autodidakt eignete er sich die verschiedenen künstlerischen Techniken und Fertigkeiten selbst an und arbeitete 1946-59 als Graphiker, Dekorateur und Werbegestalter im Angestelltenverhältnis. In dieser Zeit malte er unter anderem Theaterplakate und Bühnenbilder für das Theater Döbeln. Seine darauf folgende freiberufliche Tätigkeit als Messe- und Ausstellungsgestalter führte ihn zur Mustermesse nach Leipzig, wo er im Dittrichring 8, gleich neben der Thomaskirche, ein Atelier einrichtete. Als Werbe- und Auslagengestalter arbeitete er unter anderem für den Optiker Neefe oder die französische Weinbrandfirma Napoleon. Parallel dazu entdeckte er für sich das Medium der Fotografie. 1971-90 war Rosenhain als freiberuflicher Bildjournalist und Fotograf in Leipzig tätig, wobei er sich vor allem mit Fotografien von Jazzmusikern einen Namen machte. Sein Fotobildband „Faszination Jazz. Jazz in der DDR“ aus dem Jahr 1974 gilt als Standardwerk auf diesem Gebiet.

 Beim öffentlichen Porträtieren

Zahlreiche Jazz-Vorträge führten ihn ins In- und Ausland. Sein leider verschollenes Fotoarchiv umfasste circa 13.000 Dias und Fotos zum Thema Jazz. Viele Jahre leitete er den Fotozirkel der Leipziger Handelshochschule.

Selbstporträt,  November 1986 

Ab 1978 trat Sigurd Rosenhain auch als Porträtzeichner auf. Verblüffend war das ungeheure Tempo, mit dem der Zeichner die Porträtierten mit Bleistift, Kohle oder Tinte zu Papier brachte. Ob als Programmhöhepunkt bei Jubiläumsfeiern, als Marktzeichner auf städtischen Markttagen oder als „Vater Zille“, Verkörperung des berühmten Berliner Malers und Graphikers mit Schlapphut und Kittel – Rosenhain zeichnete mit flinkem Stift tausende Porträts. Die Liste der Veranstaltungen, für die er gebucht wurde, ist lang. Als Beispiele seien das Nationale Jugendfestival Berlin, der Internationale Bachwettbewerb Leipzig und der Leipziger Buchmarkt genannt. Schon bald war Rosenhain als „Leipziger Original“ bis weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Schon immer interessierten den Künstler die großen Gesichter seiner Zeit: Politiker, Wissenschaftler, Schriftsteller, Musiker und Stars aus der Unterhaltungsbranche, die ihren persönlichen Beitrag zur Gegenwart und Geschichte geleistet haben.

Nach dem Niedergang der DDR und der folgenden Öffnung der Grenzen hatte Rosenhain die Chance, auch die Prominenten außerhalb der engen Staatsgrenzen zu zeichnen. Sein Ziel war, 1000 Prominente live zu porträtieren. In den Folgejahren gab es kaum eine Talkshow, einen Presseball oder ein anderes gesellschaftliche Ereignis, bei dem Sigurd Rosenhain nicht samt Zeichenutensilien dabei war.

Sigurd Rosenheim mit Franziska von Almsick, 1994 

 Besonders in den Jahren 1992-95 als Gast bei den mdr-Talkshows „Riverboat“ und „Im Rampenlicht“ sowie 1993-98 auf der Leipziger Buchmesse entstand so eine einzigartige Porträtsammlung mit über 1000 Porträts von Persönlichkeiten aus Politik, Sport, Musik, Kunst, Wissenschaft und Showgeschäft. Während der 10 bis 15 Minuten, in denen Rosenhain die Persönlichkeiten porträtierte, führte er kleine Privatinterviews, persönliche Unterhaltungen, an deren Ende die Dargestellten die Porträts signierten und oft auch eine persönliche Widmung hinzufügten.

Wolf Biermann  

Hans-Joachim Preil  

Willy Brandt  

Am 24. Februar 2005 starb Rosenhain infolge eines Schlaganfalls. Sein Nachlass gilt als bedeutendes gesellschaftshistorisches Dokument, mit den erstklassigen Porträts hat Rosenhain ein lebendiges Bild unserer Zeit gezeichnet.