Kurt Römhild

Innere Emigration

Im Herbst 1967 drohte der VBK Deutschlands mit der Streichung Römhilds aus dem Verband. Als Begründungen wurden unter anderem „verbandsschädigendes Verhalten gegenüber dem VBKD“ und „jahrelanges Desinteresse an jeglicher Verbandsarbeit“ aufgeführt. Römhild ging in Einspruch und schilderte in einer ausführlichen Stellungnahme vom 5.4.1968 an den VBKD Zentralvorstand Berlin seine Situation:

„Aufgrund meiner menschlich-künstlerischen Veranlagung ist es mir im Laufe der Zeit schwergefallen, einen absoluten Kontakt zu den Versammlungstätigkeiten zu finden. Ich konnte die meist nur formalen Zusammenkünfte mit den gestellten und zu lösenden künstlerischen Aufgaben nicht mehr in Einklang bringen und zog es deshalb vor, u.a. auch auf Grund der nicht gesehenen Schwierigkeiten und Bedingungen, unter denen gearbeitet werden mußte, in möglichst eigenem Handeln den gestellten Aufgaben gerecht zu werden. Ich konnte meine Aufgabe nicht darin sehen, mich in Versammlungen aufzureiben, sondern ich sah meine Aufgabe in der praktischen Auseinandersetzung mit den künstlerischen Problemen. (...) In den vergangenen Jahren habe ich nach den nicht zur Ausführung gekommenen Auftragsarbeiten den Kontakt zum Verband im Bez. Erfurt vollkommen verloren. Ich fühlte mich nicht verstanden und habe auch die Gewißheit, daß ich in meinen künstlerischen Bestrebungen nicht verstanden wurde. (…) Vorwürfe der Bezirksleitung des Verbandes, mein zeitweise zurückgezogenes Arbeiten, welches sich vor allem auf Grund meiner sensitiven Veranlagung heraus ergab, als verbandsschädigendes Symptom herauszustellen, können von mir nicht anerkannt werden. Der Verband ist meiner Ansicht nach verpflichtet, im Umgang mit den Mitgliedern zu differenzieren, und sollte seine Hauptaufgabe darin sehen, daß Verbandsmitglieder in den künstlerischen Bestrebungen zu stärken.“

Seinem Einspruch wurde stattgegeben, Römhild blieb zeitlebens Verbandsmitglied, ab 1.8.1990 im Nachfolge-Verband Bund Bildender Künstler Leipzig. Doch es war nicht das letzte Mal, dass Römhild ins Visier des VBK rückte, wie ein streng vertrauliches Gesprächsprotokoll vom 15.1.1971 belegt: „Koll. Römhild arbeitet seit 1966 sehr isoliert in Leipzig und hat keinen Kontakt zu Kollegen des VBK DDR. Er reicht nicht zu der Bezirkskunstausstellung ein, weil er der Meinung ist, daß er mit seiner Arbeit nicht der geforderten Thematik gerecht wird. Ein Atelierbesuch ist dringend notwendig, zur
Überprüfung seiner Arbeiten.“

Bereits 1966 war die Familie nach Leipzig (Böhlitz-Ehrenberg) gezogen. Zusammen mit seiner Frau unterhielt er eine Atelier-Werkstatt in der Querstraße im Leipziger Zentrum, bis schließlich 1979 der Umzug in eine große Wohnung mit inneliegendem Atelier in Leipzig-Grünau erfolgte.

Im Privaten experimentierte er weiterhin mit Techniken und Sujets und schuf über die Jahre ein umfangreiches Œuvre herausragender Handzeichnungen, die sich durch ihre heitere Leichtigkeit der Linienführung und virtuose Farbgebung auszeichnen: zarte Porträts, wilde Reiterinnen, der Künstler und seine Musen im Atelier, Schiffe im Hafen und auf See. In wiederkehrenden Motiven perfektionierte Römhild seine künstlerische Handschrift. Dabei besticht der leise Humor, das Augenzwinkern, mit denen der Künstler seine Arbeiten häufig zu Papier brachte. Familienangehörige beschreiben ihn als einen
fröhlichen Menschen, der für seine Kunst lebte – eine Meisterhaftigkeit im Verborgenen.

Quellen: Unterlagen, Briefe und Zeitungsartikel aus dem privaten Archiv

Spanische Reiterin im Galopp. Mischtechnik, 1977