Kurt Römhild

Jugend und Kriegszeit

Als Sohn des Autoschlossers und Kraftfahrers Siegmar Römhild und der Hausfrau Marie, geb. Stadler, wuchs Kurt Römhild in einfachen Verhältnissen in Heinrichs bei Suhl (Thüringen) auf. 1932-40 besuchte er die Volksschule und war Mitglied der Hitlerjugend. Seinem zeichne-rischen Talent folgend, absolvierte er 1940-43 eine Lehrausbildung als Technischer Zeichner bei den Wilhelm-Gustloff-Werken in Suhl, einem der größten deutschen Rüstungskonzerne.

Der Krieg war allgegenwärtig, und im Oktober 1943 wurde der gerade achtzehnjährige Römhild in den Rekrutendienst in Auxonne (Frankreich) einberufen. Er wurde zum Bordfunker ausgebildet und durchlief 1943-44 verschiedene Bordfunker- und Blindflugschulen. In seinem Soldbuch der Luftwaffe wird er als 1,65 m groß, schlank, mit dunkelblondem Haar und braungrauen Augen beschrieben. Dort sind auch die Stationen seiner Ausbildung aufgeführt: Finsterwalde, Nordhausen, Bug auf Rügen, Alt-Gönnewitz, Brandis, Güben. Er selbst führte akribisch Tagebuch über diese Zeit, fertigte Zeichnungen an und vermerkte stichpunktartig alle wichtigen Ereignisse und Personen:

„Weihnachten 1943. Schlichte Feier in der Speisehalle, Unterbrechnung durch Fliegeralarm. - Im April 1944 besuchten mich Vater und Mutter. - Blind- und Überlandflüge nach Kopenhagen, Brünn, Warschau, Wien, München, Dresden, Weimar, Halle. - August 1944. Kein Flugdienst wegen Benzinmangel. Verschönerungsarbeiten an den Barackenanlagen. - Abfahrt in Güben am 15.9.1944 zur Westfront.“ 

Er wurde nach Schleiden in der Eifel gebracht, wo er bei Bunkerbauarbeiten in westliche Richtung gen Montschau immer wieder unter Beschuss geriet. „Wegen des steinigen Bodens konnten keine Erdlöcher ausgehoben werden. Unsere SMG-Gruppe (Schweres Maschinen-Gewehr) schlug deshalb 2 Zelte im Wald auf. Am 16.11. bekamen wir einen Baumkrepierer über unserm Zelt. Unser Zelt war durch Splitter zerfetzt. Ich selbst bekam einen Splitter in meine Brieftasche.“ Die Brieftasche und einige darin befindliche Zeichnungen bewahrten ihn vor einer Verletzung.

Kriegsbrieftasche mit Granatsplittereinriss

In den folgenden Tagen verlor Römhild in schweren Gefechten Freunde und Kameraden. In der Nähe von Brandenberg geriet er am 3.12.1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach mehreren Durchgangslagern wurde er in ein belgisches Arbeitslager gebracht:

„Bis März 1945 war die Verpflegung so gering, daß bei jedem Mann nur noch Haut und Knochen zu sehen waren. Fast täglich kippten 20-40 Kameraden an der Arbeitsstelle vor Hunger um“. Was die Summe dieser erschütternden Erlebnisse in dem jungen Menschen auslöste, lässt sich kaum erahnen. Römhild verarbeitete das Erlebte in Zeichnungen. Außerdem schrieb er Gedichte, Zeilen voller Sehnsucht nach seiner Thüringer Heimat.
Nach einem Konzertabend im Lager gelang schließlich am 2.5.1946 mit drei Freunden die Flucht, zunächst im Zug Richtung Würzburg, dann weiter zu Fuß. Ein Mitflüchtling wurde von den Amerikanern wieder gefangen genommen, Römhild selbst erreichte nach acht Tagen den Thüringer Wald.

In der Arrestzelle. Tuschzeichnung aus dem Skizzenbuch seiner Kriegsgefangenschaft