Kurt Römhild

Entwurf einer Osterkarte, 1955

Nach dem Krieg: Erste Erfolge

Zurück in Suhl erhielt er schon wenige Wochen später Ende Juni 1946 eine Anstellung bei seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb, inzwischen VEB Simson, wo wie zu Vorkriegszeiten Fahrräder und Kinderwagen hergestellt wurden. Er arbeitete als Zeichner, Konstrukteur und Werbeleiter. Parallel dazu besuchte er die Volkshochschule und belegt Kurse zum figürlichen Zeichnen.

1953 begann er ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Emil Koch und Bernhard Heisig, das er jedoch 1954 nach nur drei Semestern laut eigener Aussage aus politischen Gründen abbrach. 1955-56 war er als Graphiker bei der DEWAG-Werbung Suhl und Leipzig angestellt. Er
entwarf Gebrauchsgrafik und Werbeprospekte.

1956 wurde er Mitglied des Verbands Bildender Künstler (BBK) Deutschlands und wagte damit den großen Schritt in die Selbständigkeit und künstlerische Selbstbestimmtheit. In der Stellungnahme zu seinem Aufnahmeantrag in den VBK bescheinigen ihm die Gutachter „in den vorgelegten Arbeiten (vorwiegend lavierte Federzeichnungen) ausgezeichnete Fertigkeiten. Über das Technische hinaus sichtbare Anzeichen einer spezifisch-grafischen, persönlichen Ausdruck verheißenden Entwicklung“. Voll Zuversicht und Energie begab sich Römhild auf seinen künstlerisch freischaffenden Weg.

Während eines Studienaufenthalts in Paris 1957 hielt er seine Erlebnisse in Federzeichnungen fest, von denen der Weimarer Maler und Grafiker Arno Fehringer später schrieb: „Die Leichtigkeit und prickelnde Eleganz, das Unbeschwerte und auch Beschwingte des Franzosen ist hier eingefangen. Der Vortrag ist gekonnt und flott, daß das Auge in wahrem Genießen jeder Linie folgt, wie sie umschreibt, und dabei die knappsten künstlerischen Stenogramme aufs Papier zwingt.“

Paris - Kutschfahrt. Federzeichnung, 1957

Neben den Zeichnungen begann Römhild 1957 den Zyklus „Opium der Zeit“, in Gouachen ausgeführt, als eine kritische Auseinandersetzung mit Imperialismus und politischer Despotie.

Eine zweite Studienreise führte ihn 1958 für vier Wochen nach Rostock auf die Baustelle des Überseehafens. Die Graphiken, die zu diesem für die junge Republik prestigeträchtigen Objekt entstanden, machten den Künstler über Nacht populär. Diverse Zeitungen benutzen seine Arbeiten für ihre politische Propaganda und berichteten über den „stillen Grübler, einen Feind jeden Geschwätzes. Er ist ein Arbeiterjunge aus der Thüringischen Stadt Suhl. (…) Wie kann ein Arbeiterjunge Künstler werden? Erst der Staat der Arbeiter und Bauern ließ selbst das scheinbar Unmögliche Wirklichkeit werden. (…) Seine Grafiken vom Bau des Überseehafens Rostock fanden sehr starke Beachtung. Kurt Römhild ist sehr froh darüber: Wenn mein Zyklus beendet sein wird, gehe ich mindestens noch einmal für acht Wochen zu meinen Rostocker Freunden. Und dann arbeite ich mit am Bau, vielleicht an der Ramme oder am Bagger.“ (Neues Leben VII, 1959).

Trockendock der Rostocker Werft. Siebdruck, 1958